Bericht von der OSDC Konferenz

Das Fazit vorweg: Schön war's auf der Netways OSDC Konferenz. Das ganze mutete schon wie ein kleines "Familientreffen" der OpenSource und Unix Community an. Teilnehmer und Referenten wie Michael Prokop, Benedikt Stockebrand und Kristian Könhtopp, die ich aus Mailinglisten und persönlich seit Jahren kenne, sorgen doch dafür, dass man sich zu hause fühlt.

Das Hotel-Internet hatte ab und zu so seine Macken, wie es halt so ist in Hotels, und ich hätte mich gefreut, wenn beim Abendessen und beim ersten Frühstück auch schon vor Ende der Mahlzeit eine der vielen Bedienungen gemerkt hätte, dass ich als Gast dazugekommen bin, und vielleicht was trinken möchte - aber das sind angesichts der ansonsten perfekten Organistation und Inhalte wirklich Nebensachen.

Die Vorträge, die ich gesehen habe:

Using Puppet for Unix automation and configuration management - von Luke Kanies

Leider viel zu spät rein gekommen, da ich am Vorabend noch intensiv an meinem eigenen Vortrag ( http://www.slideshare.net/henningsprang/automatic-systems-installations-... ) gearbeitet habe. Ein paar Stichworte: Ein solches automatisches Installations-Werkzeug dokumentiert nicht nur, wie man komplett ein System wiederherstellt, sondern auch die dahinter stehende Absicht (zum Beispiel dadurch, dass die Klasse, die die Installation von Paketen und anderen Dingen definiert, einen Namen hat, der der Nutzung entspricht ), das unterscheidet Auto-Installations-Werkzeuge von Full-Backup! Das kann ich mir mal merken für einen FAI Vortrag! ;) Puppet hat eine gute Distributions-Abstraktion für Paketinstallationen und Konfigurations-dateien. Puppet loggt immer nach Syslog - diese Info hat mir bei meinen ersten Tests noch gefehlt. Man kann damit auch Daten von den System einsammeln mittels "facter". Auf jeden Fall ein spannendes Tool, das interessante Funktionen bietet, die FAI nicht hat.

Virtual consolidated HA: Virtualization with KVM, Pacemaker, and DRBD - von Florian Haas

Informatives zum HA Setup mittels heartbeat und dessen auf vielen Umwegen umbenannten Nachfolger Pacemaker. Außerdem ein Scenario zum Einsatz von libvirt und KVM und DRBD. Auch wichtige Info, an alle die dazu tendieren zu meinen, Xen wäre (fast) tod, was mich tweilweise mit einschließt: Erst einmal muss das KVM Team die merklichen I/O Latenzschwierigkeiten lösen, so lange werden Nutzer, die ein Maximum an Performance brauchen, noch Xen einsetzen(müssen).

Using kickstart and puppet to automate system administration von Kristian Köhntopp

Gewissermaßen mein direkter Konkurrenz-Vortrag, da es im Prinzip um das gleiche Thema geht. Kristian berichtet allerdings aus der User/Admin Sicht, anhand eines konkreten Projektes - der Einrichtung eines neuen Datacenters zu Business-Continuity Zwecken, bei der das Prinzip der Administration ohne dass sich Admins auf den Servern einloggen als vorderstes Ziel stand. Es geht hier um eine Infrastruktur von mehr als 1000 Systemen. Systemdaten wqurden in einer sogenannten ServerDB gespeichert - ein in Django geschriebenes Tool. FDür das PXE Booten wurde der atftpd gepatched, so dass er die Boot-Daten direkt aus der ServerDB holen konnte. Auch die Kickstart-Konfiguration wird per http geholt und dynamisch generiert. Die Kickstart Konfiguration ist komplett generisch, das System wird minimal partitioniert (/ auf LVM), und kann dann nur puppet starten, welches die restliche Konfiguration macht. Von Puppet wird immer die allerneueste Version genutzt mittels einem selbstgebauten RPM. Einzig die Klassenzuordnung von site.pp ist noch nicht in einer Datenbank gespeichert. Deploy-Zeiten sind allerdings länger als bei FAI: 20 min Kickstart, dann noch einmal 6 bis 20 Minuten Puppet. Einige Probleme von Puppet nannte Kristian auch: das deployment großer Dateien sei problematisch, die stabilität des Systems sei manchmal nicht optimial, und die Tatsache, dass Puppet einen sehr großen Speicherbedarf habe, sei schwioerig bei so vielen Servern. Wenn diese alle gleichzeitig eine Anfrage an den Puppet server machen, hat man ein Problem. Und dies passiert in der Standard-Einstellung wo alle Server zur halben Stunde bei puppetmaster anfragen. Der Speicherbedarf des Systems geht mit 10-100 Maschinen, kann bei 1000 aber schwierig werden. Auf jeden Fall muss man da mod_ruby statt den integrierten Webrick nehmen.

grml - das Schweizer Taschenmesser der Linux-Notfallsysteme - von Michael Prokop

Einführung in Funktionen und Hintergründe der Live-CD-Distribution GRML - inklusive einiger Kniffe, die auch für Leute,d ie GRML schon einsetzen sehr interessant waren. Besonders die fortgeschrittenen ZSH features finde ich spannend.

Design von CI Klassen für Rechenzentren in OTRS::ITSM - von Jens Bothe

Den habe ich nur mit halbem Ohr gehört, weil ich hier auch wieder letzte Arbeit an meinen eigenen Folien gemacht habe. Es ging um das anlegen sehr detaillierter Item Profile, Abhängigkeiten und Hierarchien für Dinge, zu denen Issues reported werden können. Ein Hinweis zum Thema von Jens beim Essen davor war sehr interessant: Gefragt, ob ich denn OTRS auchj sinnvoll zum Bugtracking nutzen könne, sagte Jens: "Schau mal, wir selbst nutzen Bugzilla"... trotzdem, zum Issue Tracking scheint es ein gutes Tool zu sein!

Automatic systems installations and change management wit FAI - Henning Sprang - ich selbst ;)

Ich selbst war als letztes dran, was immer ein bisschen undankbar ist. Vor einem langen Wochenende gehen doch viele Leute schon nach dem vorletzten Talk nach Hause. Aber es war nicht ganz so schlimm, wie ich befürchtet hatte - trotzdem hatte ich eine interessierte Zuhörerschaft, der nach meinem Eindruck der Vortrag gefallen hat. Ich habe gemerkt, ich bin immer noch ein bisschen nervös, wenn ich auf einer Konferenz rede - keine Ahnung warum. Darüber gibt's auch noch einen Blogpost: http://blog.netways.de/2009/05/01/live-von-der-osdc-fai-mit-henning-sprang/